25
Aug
2011

Verband: Deutsche Schüler-Mehrkampfmeisterschaften, Deutsche Schülermeisterschaften Blockwettkämpfe

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20./21. August 2011 im Sportcentrum Cottbus

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Trainerkolleginnen und Trainerkollegen,

da ich von mehreren Vereinsbetreuern und auch am Wettkampf beteiligten Aktiven mit der Bitte angesprochen wurde, insbesondere die organisatorischen Abläufe dieser Deutschen Meisterschaften kritisch zu hinterfragen, möchte ich versuchen, dieser Bitte als Wettkampf-Beobachter und Aktiven-Betreuer im Rahmen einer konstruktiv kritischen Nachbetrachtung nachzukommen.

Der Landesverband Brandenburg verfügt mit dem örtlichen Ausrichter LC Cottbus und den Sportanlagen des Sportcentrums Cottbus über erstklassige Leichtathletikanlagen. Neben einer 8-Rundbahnen-Anlage mit 10 Geraden und einem Werfer-Feld ist sogar eine Leichtathletik-Halle mit 4 Rundbahnen und allem Drum und Dran vorhanden, so dass grundsätzlich gute bis sehr gute Voraussetzung zur Durchführung einer Meisterschaft vorhanden sind.

Die Organisatoren dieser Deutschen Meisterschaften haben sich sicher im Rahmen Ihrer Möglichkeiten bemüht, ein Sport-Fest mit Event-Charakter zu organisieren. So führten z.B. mehrere Sprecher mit musikalischer Begleitung durch die Veranstaltung und trugen so zu einem kontinuierlichen Informationsfluss bei. Ungeachtet dessen muss hinterfragt werden, ob es zielführend für eine Deutsche Meisterschaft mit so komplexen Anforderungen ist, wenn z.B. mobile Kugelstoß-Anlagen auf der Wiese genutzt werden müssen oder der Speerwurf teilweise von ausgelegten Läufen durchgeführt werden muss, um nur einige Beispiele zu nennen.

Es kann jedoch keinesfalls über die zum Teil massiven organisatorischen Mängel und organisatorischen Fehlentscheidungen hinweg gesehen werden, die ich im Folgenden exemplarisch mit dem Ziel aufzeigen möchte, dass der DLV Deutsche Meisterschaften mit sehr komplexem Charakter und hohen Teilnehmerzahlen zukünftig nur noch an die LV´s mit ihren örtlichen Ausrichter vergibt, die über die entsprechenden Anlagenkapazitäten, Erfahrungen und Sachkenntnisse verfügen. Dies insbesondere auch vor dem Hintergrund des Vorhabens des DLV, dass Meisterschaftsprogramm grundlegend umzugestalten.

Im Folgenden möchte ich exemplarisch einige Situationen beschreiben, die einer Deutschen Meisterschaft weder würdig sind noch den Bedürfnissen der Aktiven nach einer optimalen Leistungsdarstellung gerecht werden.

  • Wenn Riegengrößen von bis zu 43 Teilnehmerinnen gemeinsam in einer Gruppe technische Wettbewerbe absolvieren, die dann bei Temperaturen von deutlich über 30° in der Sonne ohne nennenswerten Sonnenschutz insgesamt ca. 3 Stunden dauern (z.B. Blockwettkampf Wurf W15 – Diskus), ist dies schlichtweg nicht zumutbar.
  • Wenn Hürdenläufe mit 3 bis 5 Starterinnen je Lauf durchgeführt werden, obwohl 10 Hürdenbahnen „gestellt“ sind, ist das, insbesondere bei schon existierendem Zeitplanverzug, nicht nachvollziehbar.
  • Wenn massive Probleme mit der elektronischen Zeitmessung auftreten, die nicht befriedigend gelöst werden können (persönliche Anmerkung: vielleicht lag es daran, dass trotz sehr hoher Temperaturen und massiver Sonneneinstrahlung das technische Equipment zur Zeitmessung jeweils den ganzen Wettkampftag ohne Sonnenschutz der Sonneneinstrahlung ausgesetzt war), ist es nicht nachvollziehbar, dass hier nicht angemessen reagiert wird.
  • Wenn es zur Wettkampfdauer von bis zu 10 Stunden im Blockwettkampf und bis zu 20 Stunden im Achtkampf kommt, ist das insbesondere für die Altersklasse der 14/15-jährigen mehr als grenzwertig und sicher nicht leistungsfördernd. Hinzu kommt, dass Cottbus im äußersten Osten des Landes an der polnischen Grenze liegt und eine Vielzahl der Aktiven mit Ihren Betreuern und Eltern noch am gleichen Tag die Heimreise „quer durch die Republik“ bewältigen mussten.
  • Wenn die ansonsten gute Lösung, die Aktiven von Sammelpunkten aus zu den Wettkampfstätten zu bringen dadurch konterkariert wird, dass die Aktiven an der Wettkampfstätte mehr als 30 Minuten in praller Sonnen ohne jeglichen Sonnenschutz warten müssen, bis die Laufeinteilungen vorliegen (z.B. Blockwettkampf W 15 – 100 m), ist auch das nicht nachvollziehbar.

Zusammenfassend möchte ich feststellen, dass der organisatorische Ablauf dieser Deutschen Meisterschaften trotz aller Bemühungen der Beteiligten vor Ort in verschiedenen Bereichen weder leistungsfördernd noch sach- und fachkompetent vorbereitet und ausgestaltet war. Zum Glück hatten wir schönes Wetter. Ich möchte mir nicht ausmalen, wie es gewesen wäre, wenn wir bei der „Mini-Tribünen-Überdachung“ des Stadions in Cottbus ein Regen/Wind-Wochenende erwischt hätten.

Viele Stimmen beschwören die Notwendigkeit, insbesondere Deutsche Meisterschaften attraktiv und motivierend zu gestalten. Dies ist in Cottbus in weiten Teil nicht gelungen. Hoffentlich denkt Niemand „es waren ja nur die Schüler“.

Mit sportlichem Gruß

Heinz-Dieter Antretter
Abteilungsleiter Leichtathletik